Wie dieser Udo-Lindenberg-Song…

Interview mit Uwe Lütjohann

Seit 1991 hat er am GSP Biologie und Sport unterrichtet, nun steht sein Ruhestand bevor.
Wir haben unserem Herrn Lütjohann ein paar Fragen gestellt, denn wir wollten wissen, wie er auf so eine ereignisreiche Zeit zurückblickt.

1. Mit welchem Gefühl gehen Sie in den Ruhestand? 

Ziemlich gemischt: Einerseits hab ich ja praktisch meine Freiheit, meine Unabhängigkeit wieder, andererseits ist es, was die Belastung angeht, aber auch was die sozialen Kontakte angeht, von 100 auf 0, weil ich ja auch viel Freunde hab, die ich täglich so sehe. Außerdem war das ja über 30 Jahre meine Lebenssituation und das ändert sich ja komplett. Aber im Großen und Ganzen freue ich mich sehr drauf.

2. Gibt es etwas, das Sie rückblickend anders machen würden? 

Also im Detail gibt es da viele Sachen, wenn ich mir alte Klausuren angucke, die ich geschrieben hab, alte Abiaufgaben und altes Unterrichtsmaterial – denn denke ich heute: „Oh, das sieht ein bisschen seltsam aus, was du damals gemacht hast.“ Vielleicht würde ich auch die ein oder andere Klasse bisschen straffer anfassen, aber eigentlich ist es auch nicht so mein Typ. Im Großen und Ganzen denke ich, ich würde es nochmal ähnlich machen.

3. Hatten Sie auch mal schlimme Erfahrungen, an die sie sich immer erinnern?

Schlimme Erfahrungen… also wirklich schlimme nicht, nur so der normale Wahnsinn. Zum Beispiel, dass mal eine Schülerin im Unterricht umkippt, ohnmächtig wird und man die gar nicht mehr richtig ins Leben zurückbekommt und dann der Krankenwagen sie holen musste. Aber eigentlich nicht, also das Kollegium hat eigentlich immer gut funktioniert, ich hab mich immer recht gut aufgehoben gefühlt hier.
Ach, eine schlimme Erinnerung ist noch geblieben und da möcht ich noch an einen ehemaligen Lehrer erinnern, mit dem ich gut befreundet war. Der ist verstorben, während ich in der Schule war. Der war zwar da schon an einer anderen Schule, aber das war ganz schlimm.

4. Was war das Schönste, was Sie in Ihrer Zeit an der Schule erlebt haben?

Schöne Momente gab es eigentlich viele. Herausragend… die Skifahrten waren immer ganz toll. Aber DAS herausragende Erlebnis, das gibt es eigentlich gar nicht. Man hat als Lehrer jeden Tag kleine schöne Erlebnisse und auch kleine nicht so schöne Erlebnisse und das zieht sich so durchs ganze Berufsleben durch. Es passieren schon immer mal Sachen, wo man sieht „Oh, das war jetzt aber einmalig“. Aber so, dass ich da eine herausnehmen würde, weiß ich jetzt nicht.

5. Hatten Sie auch eine Lieblingsklasse?

Ich hab das immer vermieden, Lieblingsklassen zu haben, aber natürlich wachsen einem manche ein bisschen mehr ans Herz als andere, weil man mit denen einfach immer mehr Kontakt hatte. Das hängt eher damit zusammen, ob man Schüler durchs ganze Schulleben begleiten konnte und dann hat sich da ein gutes Verhältnis entwickelt und andere hat man dann nur in der Unterstufe, nur in der Mittelstufe, oder nur in der Oberstufe und da ist das Verhältnis nicht so eng. Aber es gibt Schüler, mit denen ich immer noch befreundet bin.

6. Sie sind Biologie-  und Sportlehrer. Was haben Sie im Laufe der Jahre aus Ihren Fächern mitgenommen? 

‘Ne Menge Kondition. Ich bin früher, also bis vor ein paar Jahren, immer mitgelaufen, wenn wir mal Waldlauf gemacht haben oder so etwas.  (Das gab es früher. Drei- bis viermal am Morgen ist man da im Wald rumgelaufen.) Ich hab 13 Jahre eine AG geleitet, das war Volleyball und das war ein tolles Erlebnis. Da kamen dann die Schüler, die das richtig wollten, die das auch ganz gut konnten und die, die das nicht so gut konnten, die haben das auch relativ schnell gelernt. Da hab ich mich immer sehr drauf gefreut.  
Biologie – Da war ich mal bei Jugend forscht mit ‘ner Truppe und dann haben wir hier, als NaWi noch ein bisschen anders lief, viele Experimente gemacht, die sie auch selbst entwickelt haben. Und die Seeuntersuchungen: Ich hab mit vielen Oberstufenklassen Seeuntersuchungen gemacht und da mussten die Schüler Facharbeiten schreiben, bei denen ganz tolle Sachen herauskamen.

7. Wir wollen Sie nicht ärgern, aber einige haben sich gefragt: Würfeln Sie Ihre Noten?

(Lacht) Das steht ja manchmal im Abi-Buch. Ich versuch das so gut hinzukriegen, wie es geht. Da muss man ehrlich sagen, ich hab da manchmal 250 Schüler:innen und viele Klassen, ich würde jetzt nicht meine Hand ins Feuer legen, dass da jede Note über die ganzen Jahren immer gerecht gewesen ist. – Da kann man mal daneben liegen.

8. Wir wüssten gerne Ihre Meinung: Ist Lehrersein heute anders als zu dem Zeitpunkt, als Sie Lehrer geworden sind?  Inwiefern?

Ja, das ist ein bisschen anders geworden. Ich hab so den Eindruck, dass die Kontrolle immer mehr zunimmt und die Stundenbelastung auch. Ich bin mit 23 Unterstunden angefangen plus ein paar Ermäßigungsstunden, – heute sind wir bei 25,5 ohne Ermäßigungsstunden. Aber auch die Kontrolle zum Beispiel beim Abitur, wenn ich Abitur vorbereite, dann reichte das für das mündliche Abitur früher aus, einfach einen Zettel mit den Fragen zu haben und dann hat man den am Tag vorher an die Kollegen verteilt. Dann gab‘s nochmal ein Telefonat und dann ging das los. Heute muss ich da ziemlichen Aufwand betreiben und alle möglichen Zettel ausfüllen und mehrere Erwartungshorizonte vorbereiten. Der Aufwand ist viel höher geworden. 
(Anmerkung der Redaktion: Auch in diesem Jahr hat Herr Lütjohann nochmals 19 mündliche Abiturprüfungen in Biologie abgenommen.)

9. a) Was würden Sie Ihren Schülerinnen und Schülern mitgeben?

Also auf jeden Fall sollten sie ihr eigenes Leben leben, ohne sich von anderen allzu sehr beeinflussen zu lassen. Sie müssen sich den Beruf aussuchen, der ihnen Spaß macht, egal ob das jetzt hohes Einkommen bedeutet oder großes Prestige, sondern einfach das machen, woran sie Freude haben. Und sich zwar die Meinung von anderen mal anhören, aber dann ihre eigene Entscheidung treffen. So wie dieser Udo-Lindenberg-Song…- also zusammengefasst: „Mach dein Ding!“

b) Haben Sie auch einen Ratschlag für Ihre Kolleginnen oder Kollegen?

Ja. Seid ‘n bisschen entspannter! (Lacht)

Wir danken Herrn Lütjohann für das Interview und für 31 Jahre Forschen, Sport und Spaß!
Es interviewten: Mia, Alina (7a) und Yannik (7b)
Das sagt die Schulgemeinschaft:

Nice Autos!

Svea, Pia, Lena und Feline aus der 10d

Tschüss und alles Gute!

Frau Ullmann und Frau Range

Vielen Dank für den humorvollen Unterricht. Viel Spaß mit Ihrer neu gewonnen Zeit und Ihren Motorrädern.

Martha Hansen, Miriam Büttner und Malina Ewert, 9b

Genießen Sie Ihre freie Zeit in der Rente und viel Spaß beim Musikspielen in Ihrer Band!

Franziska Mudter, Ege

Lieblingsgitarrist!

Herr Surkau

Alles Gute und danke für das Essen.

Lukas, 9d

Fahren Sie viel Motorrad, viel Spaß in der Rente!!!

Sahra, 10b

Exzellenter Musikgeschmack!

Kjell, Egeo

Vielen Dank für die schöne und lustige Zeit. Sie werden in Erinnerung bleiben! Besonders mit ihren Geschichten, zum Beispiel die Story von Frau Sauders Hund und dem Unfall mit dem Föhn und Wasser.

Kaja, Fiona und Jule, Mint-Kurs

1 Kommentar zu „Wie dieser Udo-Lindenberg-Song…“

  1. Uwe Lütjohann

    Vielen Dank für eure lieben Kommentare!!! Ich habe hier so viele schöne Momente erlebt und besonders schön war es immer, wenn ein Schüler/eine Schülerin “moin Herr Lütjohann” quer über den Schulhof gerufen und dabei noch nett gewunken hatte. Dann wusste ich, dass ich Viele von euch erreichen konnte. Das war mir immer wichtig. Ganz lieber Gruß und immer gern auf ein Eis bei Cini , euer Uwe Lütjohann

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